Liebe Offenburgerinnen und Offenburger,

ich weiß noch ziemlich genau, wie es sich angefühlt hat, als ich als Jugendlicher hörte: Unser Bolz- und Basketballplatz neben der Grundschule in Ohlsbach soll geschlossen werden. Also haben wir Unterschriften gesammelt und im Gemeinderat dafür gekämpft, dass der Platz erhalten bleibt – und hatten Erfolg.

Damals ahnte ich noch nicht, dass Kommunalpolitik einmal mein Beruf werden würde. Aber ich habe damals schon etwas gelernt, das mich bis heute begleitet: Wenn Menschen sich einbringen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, können sie etwas bewegen. Vielleicht erklärt diese Geschichte am besten, warum ich heute vor Ihnen stehe. Warum ich Bürgermeister geworden bin und nun Oberbürgermeister von Offenburg werden möchte.

Und warum mir diese Kandidatur so viel bedeutet. Denn Offenburg und die Ortenau sind für mich Heimat. Ich bin in Ohlsbach aufgewachsen, habe das Grimmelshausen-Gymnasium besucht und 2001 mein Abitur gemacht. Anschließend leistete ich meinen Zivildienst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Klinik an der Lindenhöhe.

Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Später habe ich in Konstanz und Freiburg Volkswirtschaftslehre studiert. Mich hat schon damals interessiert, wie der Staat mit dem Geld der Menschen umgeht – und wie wir heute vernünftige Entscheidungen treffen, ohne die Rechnung an die nächste Generation weiterzugeben. Darüber habe ich auch an der Universität Freiburg promoviert und Forschungs- und Beratungsprojekte geleitet.

2004 wurde ich mit 22 Jahren als jüngstes Mitglied in den Ohlsbacher Gemeinderat gewählt. Zehn Jahre lang durfte ich dort ehrenamtlich mitgestalten. In dieser Zeit wurde mir klar: Kommunalpolitik ist meine große Leidenschaft. Ende Oktober 2014, vor 12 Jahren, wurde ich zum Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen gewählt, einer Gemeinde mit 15.600 Einwohnern im Dreiländereck, direkt neben Basel.

Bei meiner Wiederwahl 2022 wurde ich mit 97,4 Prozent im Amt bestätigt und dabei von allen fünf Fraktionen im Gemeinderat unterstützt. Das hat mir gezeigt: Sachliche und verlässliche Arbeit kann Menschen über Parteigrenzen hinweg zusammenbringen.

Ich komme nicht als Fremder nach Offenburg und die Region. Viele Einrichtungen, Plätze und Treffpunkte sind für mich mit bleibenden, schönen Erinnerungen verbunden. Meine Eltern, und viele meiner Freunde leben hier. Aber gleichzeitig war ich auch lange genug an einem anderen Ort Bürgermeister, um einen unverstellten, klaren Blick von außen mitzubringen. Ich kenne die Region und ich bringe Erfahrung mit. Beides möchte ich für Offenburg einsetzen.

Offenburg ist eine vielfältige und lebenswerte Stadt, die große Chancen hat:
Offenburg soll das Oberzentrum der Ortenau sein, ein starker Wirtschaftsstandort, eine soziale Stadt mit vielfältigen Bildungsangeboten und einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur, ein Ort der Innovation und eine lebendige Kultur- und Einkaufsstadt. Kurz gesagt: ein attraktiver Mittelpunkt der Region zwischen Karlsruhe, Strasbourg und Freiburg.

Gemeinsam mit der Bürgerschaft möchte ich eine Strategie „Offenburg 2050“ erarbeiten, mit der wir gemeinsam ein Bild entwerfen, wohin sich Offenburg bis Mitte dieses Jahrhunderts entwickeln soll.

Aber gute Stadtpolitik zeigt sich nicht nur bei den großen Zukunftsfragen, sondern bei den konkreten Themen der Menschen. Genau deshalb habe ich in den vergangenen Monaten so viel zugehört – bei Marktständen, in den Orts- und Stadtteilen, bei Unternehmen und Vereinen. Daraus ist mein Wahlprogramm entstanden. Nicht am Schreibtisch, sondern im Gespräch mit den Menschen, es ist ein echtes Bürgerprogramm.

Wenn man zuhört, bekommt man sehr konkrete Anliegen aus dem Alltag. Ein Thema ist mir fast überall begegnet, die Landesgartenschau 2032. Manche haben mich gefragt: „Kann man die noch absagen?“ Andere wollten wissen: „Braucht es einen Aussichtsturm?“ Meine Antwort ist klar: Die Entscheidung für die Landesgartenschau ist gefallen. Jetzt kommt es darauf an, was danach dauerhaft für Offenburg bleibt. Das Projekt hat große Chancen: Mehr Grün. Mehr Schatten. Schöne Orte, an denen Menschen gerne zusammenkommen.

Den geplanten Aussichtsturm lehne ich angesichts der Bau- und Folgekosten ab. Bei der Landesgartenschau müssen wir transparent sein bezüglich Kosten, Fördermittel und Folgekosten.

Sehr konkret wurde ein anderes Gespräch: Eine Krankenschwester, die in Teilzeit im Klinikum arbeitet, ärgerte sich sehr, dass sie nun 50 Euro im Monat für einen Mitarbeiterparkplatz bezahlen soll. Ich möchte gemeinsam mit den Arbeitgebern bessere Lösungen für die Beschäftigen finden. Gleichzeitig brauchen wir gute Alternativen zum Auto.

In der Innenstadt sollen die Parkgebühren kundenfreundlicher werden: 30 Minuten Brötchentaste, Abrechnung im 20-Minuten-Takt, ein digitales Parkleitsystem und ein Park-and-Ride-Angebot auf Probe. Auch beim Anwohnerparken braucht es bessere Lösungen. Mir geht es nicht darum, Auto, Bus, Fahrrad und Fußverkehr gegeneinander auszuspielen. Die Menschen sind unterschiedlich unterwegs. Eine vernünftige Verkehrspolitik muss ihren Alltag im Blick haben.

Auch über das Freizeitbad Stegermatt höre ich viel Unmut. Manche Familien fahren inzwischen lieber in Freibäder außerhalb Offenburgs. Das darf uns nicht gleichgültig sein. Offenburg hat ein tolles Ganzjahresbad, das aus Steuermitteln finanziert wird. Dann muss es auch ein Ort sein, an dem die Menschen gerne ihre Zeit verbringen. Daran müssen wir arbeiten und zwar sofort!

Nachdenklich haben mich Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern gemacht, die mir sagten: „Abends fühle ich mich in der Innenstadt nicht mehr wohl. Deshalb gehe ich kaum noch aus.“ Das darf man weder kleinreden noch für Stimmungsmache missbrauchen.

Wir müssen handeln. Mit besserer Beleuchtung. Mit mehr sichtbarer Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes. Und dort, wo es Kriminalitätsschwerpunkte gibt, mit gezielter Videoüberwachung. Vandalismus und Verschmutzung müssen Folgen haben. Aber Sicherheit entsteht nicht nur durch Kontrollen. Sie entsteht, wenn Plätze belebt sind, Geschäfte und Gastronomie Menschen anziehen und wir aufeinander achten. Eine lebendige Innenstadt ist auch eine sichere Innenstadt. Daher spreche ich mich für den Erhalt des Gastro-Pavillons unter den Pagoden aus.

Bei den Unternehmen höre ich die Sorge, wo sie sich künftig erweitern können. Wir müssen brachliegende Gewerbeflächen wieder nutzbar machen und neue Flächen entwickeln – und dabei das Ergebnis des Bürgerentscheids respektieren. Unsere Unternehmen brauchen eine klare Zukunft in Offenburg. Wenn Betriebe ganz oder teilweise wegziehen, verlieren wir Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Gewerbesteuer. Das wäre ein schwerer Schaden für die Stadt!

Viele Menschen beschäftigt die Frage: „Finden wir hier eine Wohnung, die wir bezahlen können?“ In Offenburg fehlen mehr als 3.500 Wohnungen. Deshalb habe ich ein klares Ziel: 2.000 neue Wohneinheiten bis 2034. Daher müssen wir geplante Baugebiete zügig umsetzen, Baulücken schließen, Leerstände verringern und mit Augenmaß nachverdichten. Die Bauverwaltung soll alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, damit Wohnraum entsteht – sie soll Bauwillige als Partner begleiten:
pragmatisch, unbürokratisch und möglichst digital. Die städtische Wohnbaugesellschaft möchte ich stärken, damit mehr Wohnungen entstehen, die sich auch Menschen mit normalem Einkommen leisten können.

Für Familien ist wichtig, dass ihr Alltag funktioniert, das weiß ich als Vater von drei Kindern im Alter von 6, 8 und 10 Jahren und einer berufstätigen Ehefrau. Eine Frage habe ich immer wieder gehört: „In der Grundschule kann ich mein Kind entweder um 12 Uhr oder erst um 15:45 Uhr abholen. Warum geht das nicht flexibler?“ Ich finde: Familien brauchen verlässliche Angebote, die zu ihrem Leben passen. Ein erster Schritt wäre, dass auch Halbtageskinder am Mittagessen teilnehmen und bis 13 Uhr in der Schule bleiben können. Auch bei den Kitas brauchen wir mehr Spielraum – an einzelnen Standorten mit Betreuung bis 18 Uhr. Eine junge Ärztin hat mir erzählt, sie würde gerne länger arbeiten, könne es aber nicht, weil ihre Kita um 16 Uhr schließt. Hier zeigt sich, ob wir es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich ernst meinen.

Bewegt hat mich auch die Frage von Ortschaftsräten: „Wenn unsere Vorschläge nicht ernst genommen werden – warum soll ich mich dann engagieren?“ Jeder Stadt- und Ortsteil hat seinen eigenen Charakter, seine Geschichte und seine Menschen. Gemeinsam machen sie Offenburg aus. Ich möchte die Ortschaftsräte und Bürgergemeinschaften stärken. Als Oberbürger-meister werde ich regelmäßig in die Orts- und Stadtteile kommen – nicht nur im Wahlkampf und nicht nur für ein schnelles Foto. Für alle elf Ortsteile brauchen wir Entwicklungskonzepte, in denen nicht nur Wünsche gesammelt werden. Es muss auch klar verabredet werden, was wann umgesetzt wird. Mir ist es wichtig, zu jeder Zeit ganz Offenburg im Blick zu haben.

Angesichts des heißen Sommers fragten mich Eltern: „Was tun Sie gegen die Hitze in Kitas und Schulen?“ Kinder können in heißen Klassenräumen nicht gut lernen. Deshalb bedarf es eines konkreten Plans für kühlere Kitas und Schulen, aber auch Pflegeeinrichtungen und Verwaltungsgebäude. Beim Neubau der Reblandschule muss Kühlung berücksichtigt werden. Im Freien brauchen wir mehr Schatten, mehr Grün und mehr Bäume, die mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, aber auch gute Pflege der vorhandenen Bäume.

Offenburg lebt von den Menschen, die sich einbringen. Vereinsvertreter beschäftigt das Problem: „Wie sollen wir unsere Feste noch veranstalten, wenn Kosten und bürokratische Hürden steigen?“ Meine Antwort ist klar: Ein Verein darf nicht an Formularen und unnötigen Kosten scheitern. Vereine, Ehrenamt und Feste bringen Menschen zusammen. Sie machen unsere Stadt menschlich. Deshalb soll eine feste Ansprechperson in der Stadtverwaltung den Vereinen Wege abnehmen. Bei größeren Veranstaltungen muss die Stadt stärker helfen.

Leistungen der Technischen Betriebe sollen nur anteilig berechnet und die Gebühren für Hallen und Räume gesenkt werden. Wer sich ehrenamtlich engagiert, schenkt anderen Menschen Zeit. Die Stadt sollte dafür Danke sagen – und gute Bedingungen schaffen.

Nicht vergessen habe ich den Ärger über das undichte Dach einer Sporthalle. Das klingt vielleicht nicht nach einem großen Zukunftsprojekt. Für die betroffenen Kinder, Eltern und den Verein ist es aber ganz konkret. Und genau dort zeigt sich, ob eine Stadt funktioniert. Natürlich braucht Offenburg Ideen, Mut und große Ziele.

Aber genauso wichtig ist, dass Straßen und Brücken erhalten werden und öffentliche Gebäude funktionieren. Deshalb brauchen wir ein verlässliches Programm für Sanierung und Instandhaltung. Geld und Personal sind begrenzt. Ein Oberbürgermeister muss ehrlich sagen, was zuerst kommt, was warten muss und was wir uns dauerhaft leisten können.

Damit bin ich bei der Frage, wie ich als Oberbürgermeister arbeiten möchte. Für mich darf Kommunalpolitik nicht von Parteizugehörigkeit bestimmt sein. Ein Oberbürgermeister muss nach der besten Lösung für die Stadt suchen. Dass ich das kann, habe ich in Grenzach-Wyhlen gezeigt. Bei meiner Wiederwahl haben mich alle fünf Fraktionen unterstützt. Ich bin überzeugt: Vertrauen wächst, wenn man zuhört, fair miteinander umgeht und verlässlich arbeitet.

Ein Oberbürgermeister muss greifbar sein: beim Vereinsfest, im Betrieb, im Stadt- und Ortsteil. Dort erfährt man, was in keiner Akte steht: wo etwas gut läuft, wo es hakt und was die Menschen beschäftigt.

Mir ist wichtig, die großen Projekte voranzubringen, gleichzeitig aber auch die vermeintlich kleinen Dinge im Blick zu behalten, die aber den Menschen wichtig sind. Ich möchte ein Oberbürgermeister sein, der zuhört, unterschiedliche Meinungen zusammenbringt und auch Unbequemes anspricht.

Der Probleme nicht liegen lässt, Entscheidungen trifft, sie verständlich erklärt und umsetzt. Ich möchte Offenburg nicht nur verwalten, sondern gemeinsam mit Ihnen weiterentwickeln – mit Erfahrung und frischem Blick, mit klaren Prioritäten und dem langen Atem, den echte Veränderung braucht.

Und ich sage Ihnen auch offen: Wenn Sie mir Ihr Vertrauen schenken, möchte ich länger als eine Amtszeit für Offenburg da sein. Denn gute Stadtentwicklung braucht Zeit. Und Offenburg ist für mich Heimat und Herzenssache, keine Station auf einem beruflichen Weg.

Vielen Dank